Pop macht in Nied die Kirche voll

Dienstag, 01.07.2014 - 09:00 Uhr

Artikel aus dem Höchster Kreisblatt vom 01.07.2014

Pop macht in Nied die Kirche voll

Von Holger Vonhof

„PopChor’N“ nennt sich der Jazz- und Pop-Chor des früheren Dekanats Höchst. In der Christuskirche feierte er sein zehnjähriges Bestehen mit einem voll besetzten Konzert.

Nied. Es riecht nach Popcorn und Würstchen, einige Zuschauer pusten Seifenblasen in die Luft: In der voll besetzten Christuskirche in Alt-Nied hat „PopChor’N“, der einzige Pop-Jazz-Chor unter kirchlicher Trägerschaft weit und breit, sein zehnjähriges Bestehen mit einem Jubiläumskonzert gefeiert. Und weil das Programm unter dem Motto „Film ab! Eine gesungene Lichtspiel-Romanze“ stand, gab’s auch Popcorn und Eiskonfekt – „Wie früher im Kino“, sagt Chorleiter Rainer Genz. Und schumnzelt: „Es ist schön, die Kirche einmal so voll zu sehen. Wir bringen Leute zurück in die Kirche, die ihr schon den Rücken gekehrt hatten.“

Echte Castings
Gegründet wurde „PopChor’n“ 2004 als Pop- und Jazzchor des evangelischen Dekanats Höchst. Weil man sich dabei die Zunge verknotet, wurde daraus „PopChor’n“. Das große „N“ steht für Nied, aber die Sängerinnen und Sänger kommen aus dem ganzen Umkreis, „bis nach Dietzenbach“, sagt Rainer Genz. Der Erfolg des Chores war kaum absehbar. „Damals wollten wir eigentlich musikalisch einfach mal etwas anderes machen“, sagt Genz, der auch Kantor der evangelischen Gemeinde Nied ist. „Mit sieben Frauen und einem Mann haben wir angefangen. Anderthalb Jahre später kam der Riesen-Durchbruch.“ Etwa 45 bis 50 Mitglieder hat der Chor jetzt, die Fluktuation ist groß: „Es sind viele junge Leute dabei, und da gibt es viele Ortswechsel wegen Studium oder Familie“, weiß Genz. Die Nachfrage ist jedoch groß, die Auswahl obliegt dem Chorleiter: „Wir machen zwei Mal im Jahr ein Casting“, sagt Genz. Neuaufnahmen für die Stimmlagen Sopran und Alt finden in den Monaten Januar und Februar sowie September und Oktober statt; Neuaufnahmen in den Stimmlagen Tenor und Bass sind immer möglich. Sprich: Etwas mehr Herren dürften es schon sein. Derzeit sind es fünf Tenöre und sieben Bässe. Aber die Gesamtentwicklung freut den Chorleiter: „Wir werden mehr.“ Und auch der Zusammenhalt stimme: „Wir haben auch viele ehrenamtliche Helfer, die uns etwa bei Auftritten unterstützen.“ Die Altersspanne ist groß: Die jüngste Sängerin ist gerade mal 19, die älteste ist 75 Jahre alt und war Gründungsmitglied.

Wahl der Lieblings-Hits
Zum Jubiläum erzählt „PopChor’N“, unterstützt von der Rockband „Ground & Side“ sowie einem eigens gegründeten Kinder- und einem Solistenchor, die Geschichte von Lisa und David, einer Sandkastenliebe, die musikalisch durch alle Lebensabschnitte begleitet wird – von „Ich wollte nie erwachsen sein“ von Peter Maffay über „I Walk the Line“ von Johnny Cash und „Free Falling“ von Tom Petty bis hin zu „When I’m Sixty-four“ von den „Beatles“. Das Publikum konnte auf langen Wahlzetteln seine Lieblingstitel ankreuzen. Die Meistgewählten werden am 26. September beim zweiten Jubiläumskonzert in der evangelischen Stadtkirche in Höchst gesungen. Am 27. September gibt es dann noch ein drittes Jubiläumskonzert mit befreundeten Chören in der Christuskirche in Nied.
Aus dem Pop-Chor wurde 2008 der ebenfalls sehr erfolgreiche Kammerchor Nied ausgegründet, der auch unter der Leitung von Rainer Genz steht: „Nied ist ein Phänomen, was Chormusik betrifft.“ Aufgetreten ist „PopChor’N“ mit dem Königlichen Männerchor Den Haag in Amsterdam vor dem damaligen Prinzen Willem Alexander, in Budweis oder Paris beim 19. Internationalen Chorfestival – „und hat immer abgeräumt“, ist Genz stolz. Konzerte überall im alten Dekanat Höchst, in Aßlar und anderswo haben für Furore gesorgt. „Wir sind kein normaler Chor; das werden wir auch nie sein“, sagt Genz. „Aber das, was wir singen, ist vom Chorsatz her schwerer als vieles andere.“

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